Die Portugalreise –
ein Auszug

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Hier ein kleiner Auszug aus dem Buch “Die Portugalreise” von André Heimhalt mit einem Vorwort von mir. Das Buch ist käuflich zu erwerben…

Tag 4: Hospital //

(16×11-162) klingelte es 07:00 Uhr. Garstiger Wind blies mir ins Gesicht, dunkle Wolken ließen nichts Gutes ahnen. Dies sollte sich auch bewahrheiten. Aki erschien pünktlich mit roter, erkältungsgetränkter Nase zum Frühstück, bei mir nagte der Kater am Muskel, nur der Schu strotzte förmlich lächelnd vor Energie.

Pünktlich kamen wir im Surfcamp an, Kippe, Kaffee und der Shuttlefahrer chauffierte uns zum Spot Cantinho Da Baia. Während der Schu und ich vollgepackt und das Board unterm Arm über die Dünen zum Strand schlonzten, quälte Aki die Last des Boards, das sie wie einen störrischen Esel hinter sich herzog. Anschiss vom Surfguide folgte, was Akis gesundheitsbedingten Gesichtsflunsch nicht unbedingt in ein Lächeln verwandelte. Der tobende Offshore-Wind bescherte uns harte, schäumende, 2m hohe Wellen. Nachdem wir von Goncalo Einweisung in Sachen Sandbänke, WELLEN, Tiefen und Gezeiten erhielten, nach einer yogatechnischen Erwärmung, galt es, diese Wellen zu stehen. Das war gar nicht so einfach. Souverän, mit Eins-A-Körperbeherrschung und Dancing-Arms nahm die Aki nahezu perfekt Welle für Welle. Auch der Schu. Wie durch Poseidons Hand geführt, manövrierte er sein Board gekonnt wellengeführt immer wieder dem Strand entgegen. Mir hingegen war Poseidon nicht so wohl gestimmt. Ich ließ mich aufs Meer treiben, wartete die Welle, sah sie, paddelte. Stand-Up perfekt. On the top of the wave näherte ich mich dem Strand und sprang vom Board. Wie durch 1.000 Nadeln durchfuhr ein Schmerz mein Fußgelenk. Ich rette mich zum Ufer, da kam auch gleich Goncalo. Er untersuchte sofort meine Verse auf Stiche der gefährlichen „caravelas potuguesas“ (Seeblase / Qualle: Physalia physalis). Dahingehend gabs Entwarnung, weh trats trotzdem noch, auch nahm meine Fessel an Volumen zu. Naja, das Surfen konnte ich mir jetzt klemmen. Während Aki und Schu noch mit den letzten Wellen harmonierten, chillaxte ich mit Schmerzen, Eisspray und Salbe erst mal am Strand. Mit einem sehr unguten Gefühl entschied ich dann, zurück im Camp, mich dann doch ins Krankenhaus fahren zu lassen.

Der gelb gestrichene Flachbau erinnerte mich irgendwie an die alte Polyklinik in Zittau, die mir wie ein Blitz in Erinnerung geriet. Der einzige Unterschied war, hier steht eine Palme davor, dort damals eine Birke. Der angenehm salzige Geruch des Meeres wurde durch permanenten Desinfektionsmittelduft erlöst. Aki und ich nahmen im Warteraum Platz, der Schu ging eine rauchen. Der Best Man des SurfCamp-Teams kümmerte sich perfekt und portugiesisch emsig um all möglichen Schriftkram, derweil hoffte ich auf baldige Gewissheit – Bruch / Nichtbruch. Nach kurzen 45 Minuten war es, nachdem die doch eher kleine, dafür aber recht füllige Putzfrau vier mal den Fußboden zwischen unseren Beinen desinfiziös wischte, als ich in das Kämmerlein des Chirurgs gerufen wurde. Führsorglich begleitete mich Aki in die Höhle des Löwen.
Gewappnet mit vortrefflich englischem Vokabular konnte Aki dem Halbgott in Weiß meine Verserkrankungsgeschichte schildern. In seinen Augen sah ich einen “Scheiß Touri – Surfen – keine Ahnung – Verletzung – Ich muss mich jetzt mit dem Mist beschäftigen – Blick“. Rauf auf die Liege. Röntgen – eine Maschinerie, Raum erfüllend, die mich wiederum an Zittaus Polyklinik in den 80ern erinnerte. Die Auswertung verkündete, nichts gebrochen. Fast wäre ich vor Freude in die Luft gesprungen.
Danke Aki für die moralisch, wie auch verbal-kommunikative tolle Unterstützung. Ein kurzer Abstecher beim „Farmácia“ bescherte mir lustige Pillen und Verbandsmaterialien. Ab auf die Couch. Während Aki und Schu am wohl langweiligsten „Dangerous Barbecue“ des SurfCamps teilnahmen, es lag wohl daran, dass ich nicht zugegen sein konnte, schaute ich, zwangsläufig heimgeblieben, fern, knackte den WLAN-Code des Ferienhauses und wartete auf die Bande mit dem Andi im Schlepptau.

Marko Schönherr

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