Der SLC im Lübbener Outback oder: „Wie wir die Hochzeit retteten“

raatsch2

Unsere Fahrt in die bekannt gefährliche und unwegsame Wildnis des Lübbener Outbacks begann, zu J. F. McPapers ausdrücklicher Begeisterung, mit 1,5 Stunden Verspätung an einem ausgesprochen sonnigen Samstag Vormittag.

Schnell war der authentische Spreewald-Kahn mit allem Reisegepäck beladen und wir stachen in See.
Insbesondere Emmus McNiceman und Andrew McHomestop, aber auch Alec McBenjamin konnten mehrfach ihren behenden Umgang mit den diversen Schleusen beweisen. Zurecht können wir uns nun als wahre Schleusengötter betiteln.

von André Heimhalt / Sascha Restel

Wendig „rudelte“ uns der ehrenwerte J. F. durch diverse schmale Känale Lübbens und bald kamen wir teils mit Muskelkraft, teils mit Motor an die erste Station unserer Reise, das Brauhaus in Schlepzig. Auf den Schwingen einiger bereits vernichteten Biere, sollten wir alsbald als wahre Helden gefeiert werden.

Und das kam so:
Ein beanzugter Touri mittleren Alters lief, mit den Armen wild fuchtelnd, auf unseren Kahn zu und erbat flehentlich die Hilfe der tapferen Recken. Er berichtete uns, dass soeben eine Hochzeitsfeier am Ufer im Gange sei und ein wichtiges Untensil, im weiteren als „der Ring“* bezeichnet, durch widrige Umstände im unereichbaren Wasser läge. Auf sein Flehen reagierten wir gewohnt gelassen und zuvorkommend und befreiten den Ring aus seinem feuchten Gefängnis. Vorab jedoch hatte der schlaue J.F. den Preis für die Rettungsaktion mit ein paar Bierchen festgelegt. Wir kamen also samt Ring am Ufer an und wurden dort unter freudigen Jubelschreien empfangen. Auch reichte man uns alsbald das versprochene Bier und so konnten wir mit dem Brautvater und dessen Bruder kräftig anstossen. Weiterhin gelang es uns, die Braut und den Bräutigam für eine schnelle Fotosession zu begeistern. Wir waren uns nun sehr sicher, dass ohne unser sofortiges Handeln die Hochzeitsfeier ins Wasser gefallen wäre und wir somit eine vorzeitige Scheidung verhindern konnten.

raatschii3.jpg raatschii2.jpg

Wir zogen weiter und kamen nach einem Pitstop nebst obligatorischer Kartoffelverspeisung an unserem Basislager, dem Zeltplatz auf der Halbinsel Raatsch, an. Hier muss erwähnt werden, dass die Begeisterung über unser Erscheinen sich doch arg in Grenzen hielt. Dies kann aber nur an dem Neid über unser riesiges Zeltpueblo gelegen haben.

raatschii1.jpg

Wie be- und versprochen gelang es uns, unser Mammutzelt, bestehend aus Vor-, Neben- und Hauptzelt in 7:59 Minuten aufzubauen. Hierbei handelte es sich selbstverständlich um schottische Minuten, denn nach mitteleuropäischer Zeit hat alles in allem über eine Stunde in Anspruch genommen.
Dank sei an dieser Stelle den Campern aus Hannover gesagt, die es sich nicht nehmen liessen, uns erst über eine halbe Stunde lang alles erdenklich Falsche falsch machen zu lassen, dann aber Mitleid mit uns hatten und uns erst einmal erklärten, wie man so ein Zelt aufbaut.
Nach kurzer Abkühlung im See warfen wir den Grill an, welchen wir gerade von ebenso netten Campern geschenkt bekommen hatten und gaben uns genüsslich den mitgebrachten Speisen hin.
Danach flossen diverse Biere und McPaper und McNiceman begannen, den Wald sukzessive für ein Lagerfeuer zu roden.

raatschii5.jpg

In diesem Lagerfeuer konnten wir später interessante chemische und physikalische Entdeckungen machen, als wir so ziemlich alles verbrannten was wir in die Hände bekamen. Besonderen Applaus erhielt hierbei das 2m weit fliegende, explodierende Feuerzeug von J. F. McPaper.

Von diesem Ambiente zu Höherem inspiriert, nutzten wir die folgenden Stunden zur Erörterung interessanter und brisanter Themen unterschiedlichster Couleur. Dieses Lagerfeuerforum wird von hieran als „Konferenz von Raatsch“ in die Analen eingehen.
Die Themen:

1. Der Nahostkonflikt:
Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft (wir kamen zu keinem nennenswerten Ergebnis)

2. Deutsche Geschichte:
Wo beginnt Allgemeinwissen? (1618, 1870 oder 1914?)
War der 2.Weltkrieg die logische und unmittelbare Folge des 1.Weltkrieges? (wir kamen zu keinem Ergebnis)

3. Innenpolitik:
Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 17.09.2006, hier insbesondere Zustimmung oder Ablehnung zum Vorschlag der Vereinfachung von Volksbegehren & Volksentscheid. (wir sind dagegen!)

Danach folgte eine veregnete und von diversen Pinkelpausen unterbrochene Nacht und am nächsten Morgen, um kurz nach sieben, hiess es aufstehn. Wir stachen in See und mussten schmerzlich feststellen, dass die einheimischen Gastronomen entweder nicht in der Lage waren oder keine Lust hatten, unsere hungrigen Mägen mit Frühstück zu füllen. Also gab es, mittlerweile war es 12 Uhr, endlich Bier, nebst Kaffee, Bratwurst, Boulette und Räucherfisch.

Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass der tapfere Emmus an diesem Tage nur körperlich anwesend war, da ihm eine Mischung aus Schlafmangel, Kater und Sonnenstich, die Stimmung reichlich vermieste. Unter großem Staunen stellte er bereits nach dem dritten (!) Bier fest, dass es ihm heut nicht so recht schmecke und man ihm kein Bier mehr kredenzen solle.

Wir kamen am frühen Nachmittag wieder an den Ländereine des J. F. McPaper Sen. und dessen zauberhafter Gattin an und machten uns alsbald auf den Heimweg.
Eigentlich ein leichtes Unterfangen, doch vergass der werte Andrew McHomestop die durchaus wichtige und ebenso notwendige Betankung seines Fahrzeugs. So stellte sich die Herausforderung für uns den Versuch zu unternehmen, die Strecke von 67 km bis Berlin, mit einem Tank zurückzulegen, wobei der Bordcomputer nur noch 57 fahrbare km auswies.
Wir entschieden uns gegen das Risiko und nahmen die nächste Autobahnabfahrt. Leider stellte sich heraus, dass wider jeder Erwartung die nächste Tankstelle erst nach weiteren 35km kommen sollte. Wir schafften es tatsächlich unter ängstlichem Bangen, mit dem letzten Tropfen Sprit an die Zapfsäule zu fahren.

Erstaunliche Erkenntnisse zum Thema Unterschiede zwischen Männern und Frauen konnten wir auch gleich noch gewinnen, denn wir kamen auf unserer Suche nicht umhin, einige Einheimische nach dem Weg zu fragen, wobei die männliche Fraktion eher mit Aussagen wie „links rum, dann über die Brücke und der Umleitung bis kurz vor Luckenwalde folgen“ glänzte, die Damenwelt jedoch denkbar simpel mit „vorne kommt dann ein Friseur und dort linksrum bis zur Hauptstrasse in Richtung Luckenwalde “ brillierte.
Fortan war uns klar, die Frauen erklären deutlich besser, denn es gab in dem Ort 2 Umleitungen und wären wir den Anweisungen des Mannes gefolgt, wären wir noch heute in den Brandenburger Weiten gefangen.

Letztendlich kamen wir wohlbehalten zu Hause an und warten schon voller Spannung auf den nächsten Trip.

*Im Eigentlichen handelte es sich hierbei nicht um den Ehering der Brautleute, sondern um den Ball eines der Kinder der Gäste. Aus Gründen der Dramaturgie mussten wir dies jedoch ändern.

Beitrag erstellt 35

Ein Gedanke zu „Der SLC im Lübbener Outback oder: „Wie wir die Hochzeit retteten“

  1. Juhuu, der erste Kommentar gehört mir!

    Ein wahrlich bahnbrechender Ausflug und der Beginn des „Rat von Raatsch“.
    Unvergessen unsere Zeltaktion! Wie kann man auch nur der Meinung sein, ein noch original verpacktes Zelt in 7 Minuten errichten zu können!?!
    Ich lach‘ mich noch heute schlapp… SR

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben